Ratgeber

Glutenunverträglichkeit: drei Formen im Vergleich

Das Wort Glutenunverträglichkeit wird für verschiedene Erkrankungen benutzt, die unterschiedlich entstehen und unterschiedlich festgestellt werden. Diese Seite ordnet sie nach der S2k-Leitlinie Zöliakie der DGVS (Stand Dezember 2021, Kapitel 6 zu weiteren weizenbedingten Erkrankungen) und nach der Gesundheitsinformation des IQWiG „Gluten und Weizen: Sensitivität, Allergie oder Unverträglichkeit?“ (erstellt 14.12.2022). Beide abgerufen am 27.10.2026.

Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit
Frisch gebackenes Brot auf einem Holzbrett

Die drei Formen

Form Was passiert Wie sie festgestellt wird
Zöliakie Autoimmunerkrankung: Gluten führt zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut (IQWiG) Bluttest auf Antikörper gegen Gewebstransglutaminase, meist Gewebeprobe aus dem Dünndarm
Weizenallergie Allergische Reaktion auf Gluten oder andere Weizenbestandteile (IQWiG) Gespräch, Tagebuch, Haut- oder Bluttest, im Zweifel Provokationstest
Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität Beschwerden nach Weizen ohne krankhafte Veränderung der Darmschleimhaut (IQWiG) nur durch Ausschluss von Zöliakie und Allergie

Umgangssprachlich wird Glutenunverträglichkeit oft mit Zöliakie gleichgesetzt. Das IQWiG führt Zöliakie unter dem Titel „Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)“.

Zöliakie

Die Zöliakie bleibt laut IQWiG dauerhaft bestehen und kann in jedem Alter beginnen. Etwa 1 bis 2 Prozent der Menschen in Europa haben eine nachgewiesene Zöliakie. Die Behandlung ist eine lebenslange, streng glutenfreie Ernährung. Mehr dazu unter Zöliakie.

Weizenallergie

Bei der Weizenallergie reagiert das Immunsystem allergisch. Die DGVS-Leitlinie (Statement 6.1) beschreibt bei Säuglingen und kleinen Kindern meist Sofortreaktionen an Haut, Atemwegen, Darm und Kreislauf. Bei Erwachsenen ist vor allem eine Form bekannt, die erst zusammen mit einem Auslöser wie körperlicher Anstrengung auftritt. Details stehen unter Weizenallergie.

Weizensensitivität

Die Leitlinie empfiehlt den Begriff Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität statt des älteren Begriffs Glutensensitivität (Statement 6.8). Grund: Gluten ist nur einer der möglichen Auslöser im Weizen. Genannt werden außerdem Amylase-Trypsin-Inhibitoren, andere Eiweißbestandteile und FODMAPs, also bestimmte vergärbare Kohlenhydrate. Laut IQWiG sind kurz- oder langfristige ernste Folgen nicht bekannt.

Zuerst Zöliakie ausschließen

Bei Verdacht auf eine Weizensensitivität soll laut Leitlinie (Statement 6.9) zuerst eine Zöliakie ausgeschlossen werden. Weil die Tests nur nach ausreichender Glutenaufnahme aussagekräftig sind, sollten Sie Gluten bis zur Untersuchung weiter essen. Laut IQWiG sind für aussagekräftige Ergebnisse etwa 10 g Gluten am Tag nötig. Wer bereits glutenreduziert isst, muss die Menge vor dem Test mindestens drei Monate erhöhen.

Erst nach dem sicheren Ausschluss kann ein zeitlich begrenzter Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel sinnvoll sein, laut Leitlinie am besten als individuelle Ernährungstherapie. Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf Zöliakie ist laut IQWiG die Hausarztpraxis, bei Kindern die Kinderarztpraxis.

Welche Beschwerden bei der Weizensensitivität typisch sind, lesen Sie unter Glutenunverträglichkeit: Symptome.

Diese Seite ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder durch eine Ernährungsfachkraft.

Häufige Fragen

Ist Glutenunverträglichkeit dasselbe wie Zöliakie?

Nicht immer. Der Begriff wird für Zöliakie verwendet, im Alltag aber auch für Weizenallergie und Weizensensitivität.

Kann man eine Weizensensitivität im Labor nachweisen?

Nein. Laut IQWiG wird sie festgestellt, indem Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen werden.

Soll ich vor dem Arzttermin glutenfrei essen?

Nein. Laut DGVS-Leitlinie sind die Tests auf Zöliakie nur bei ausreichender Glutenzufuhr aussagekräftig.

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