Ratgeber
Histaminintoleranz: Stand der Leitlinie
Histaminintoleranz ist ein häufig genannter Verdacht bei unklaren Beschwerden nach dem Essen. Die Fachgesellschaften sehen das Krankheitsbild zurückhaltend. Maßgeblich ist die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) sowie der Schweizer und der Österreichischen Fachgesellschaft, veröffentlicht in Allergologie select am 05.10.2021. Ergänzend nennt diese Seite den Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP) der DGE und weiterer Fachgesellschaften (2019). Beide abgerufen am 27.10.2026.

Kernaussagen der Leitlinie
- Die Belege für einen Zusammenhang zwischen Histamin im Essen und wiederholbaren Beschwerden sind begrenzt und widersprüchlich.
- Zu histaminarmen Diäten gibt es keine randomisierten kontrollierten Studien.
- Es gibt keine verlässlichen Labortests. Die Diagnose stützt sich auf die Vorgeschichte, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden.
- Ziel ist, Betroffene von unnötig strengen Einschränkungen zu einer persönlichen Strategie zu führen.
Die Leitlinie verwendet deshalb bewusst nicht den Begriff Histaminintoleranz, sondern spricht von unerwünschten Reaktionen auf aufgenommenes Histamin.
Vermutete Ursache
Als Ursache wird laut LEKuP ein gestörter Abbau von Histamin durch einen Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO) vermutet. Bewiesen ist dieser Zusammenhang laut LEKuP bisher nicht. Die DGAKI-Leitlinie hält die Messung der DAO-Aktivität im Blut für diagnostisch ohne Wert, weil sich die Werte von Betroffenen und Gesunden nicht unterscheiden.
Wie Ärztinnen und Ärzte vorgehen
| Schritt | Inhalt laut DGAKI-Leitlinie |
|---|---|
| 1 | andere Ursachen abklären und behandeln, etwa Allergien, Mastozytose, Laktose- oder Fructosemalabsorption, Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen |
| 2 | Ernährungs- und Symptomtagebuch |
| 3 | Ernährungsumstellung in drei Phasen: Karenz, Testphase, Dauerernährung |
| im Einzelfall | Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht, doppelblind und placebokontrolliert |
Was Tests leisten und was nicht, erklärt die Seite Histaminintoleranz-Test. Die Ernährung in drei Phasen beschreibt Histaminunverträglichkeit.
Was nicht empfohlen wird
Eine histaminarme Kost wird laut LEKuP nicht pauschal empfohlen. Laut DGAKI-Leitlinie ist die Wirksamkeit von Präparaten mit Diaminoxidase nicht belegt; sie werden nicht empfohlen. Auch eine Einteilung von Lebensmitteln nach ihrem Histamingehalt hält die Leitlinie nicht für sinnvoll, weil die Gehalte stark schwanken. Warum das so ist, steht unter Histamin.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Lassen Sie wiederkehrende Beschwerden nach dem Essen ärztlich abklären, bevor Sie Lebensmittel dauerhaft streichen. Hinter ähnlichen Symptomen können behandelbare Erkrankungen stecken. Bei Kindern ist die Kinderarztpraxis die richtige Anlaufstelle; an der Leitlinie hat die Fachgesellschaft für pädiatrische Allergologie mitgearbeitet.
Diese Seite ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder durch eine Ernährungsfachkraft.
Häufige Fragen
Gibt es einen Bluttest für Histaminintoleranz?
Laut DGAKI-Leitlinie gibt es keine verlässlichen Labortests; die Messung der DAO im Blut hat keinen diagnostischen Wert.
Ist Histaminintoleranz eine anerkannte Diagnose?
Die Leitlinie sieht nur begrenzte und widersprüchliche Belege und spricht von unerwünschten Reaktionen auf aufgenommenes Histamin.
Helfen Enzympräparate?
Laut DGAKI-Leitlinie ist ihre Wirksamkeit nicht belegt; sie werden nicht empfohlen.
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